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Afrin: Nicht nur ein kurdischer Kampf


Seit über einer Woche führt das türkische Militär mit der Freien Syrischen Armee (FSA) einen Angriffskrieg auf die Enklave Afrin 

in Nordsyrien durch. Afrin liegt in Rojava, ein größtenteils von Kurd*innen selbstverwaltetes Autonomie-Projekt, das dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan ein Dorn im Auge ist. Eine unrühmliche Rolle spielt die Bundesregierung, die wegen ihrer wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zur Türkei die Kurd*innen in Deutschland kriminalisiert. Das trifft auch Studierende der Universität Duisburg-Essen (UDE).

Ezda Mêrin ist Studentin an der UDE und Mitglied bei YXK, dem Verband der Studierenden aus Kurdistan. In Duisburg-Essen betreut sie seit einigen Jahren einen Ortsverband der Organisation und reiste, wie viele andere ihrer kurdischen Freund*innen, am Samstag, 27. Januar, nach Köln. Dort hatte das Demokratische Gesellschaftszentrum der KurdInnen in Deutschland (NAV DEM) zu einer bundesweiten Demo aufgerufen, um Solidarität mit der Bevölkerung in Afrin auszudrücken. „Das, was in Nordsyrien gerade passiert, ist ein Angriff auf die dort lebenden Völker. Da werden nicht nur Kurden angegriffen, sondern verschiedene religiöse und ethnische Gemeinschaften“, erklärt Mêrin gegenüber der akduell.

Solidarität erfahren die Kurd*innen und assyrisch/aramäischen Minderheiten in der Region vom Bund der alevitischen Studierenden in Deutschland (BDAS). Cem Özcan ist Co-Vorsitzender des Verbandes und erklärt der akduell die Gründe: „Wir finden das völkerrechtswidrig. Einfach dort einzumarschieren mit dem Vorwand, man wolle Terroristen bekämpfen, obwohl das Gebiet von der YPG/YPJ verwaltet wird, finden wir falsch.“ Es gehe auch darum, dass Alevit*innen und Kurd*innen Minderheiten aus der Türkei seien: „Wir wurden immer benachteiligt und werden unterdrückt. Für uns als Aleviten ist es ein Teil unserer Glaubensgemeinschaft, dass wir uns mit Menschen solidarisieren, die unterdrückt werden.“

Für Frieden und Freiheit wollten die 20.000 überwiegend kurdischen Menschen am Samstag in Köln demonstrieren, die der PKK nahe stehen. Die Organisation ist seit April 2004 in der EU als Terrororganisation eingestuft, weil sie in verschiedenen Ländern und im Besonderen in der Türkei Anschläge verübt hatte. In den vergangenen Jahren hat die Partei durch neue Schriften von Abdullah Öcalan eine umfassende Reform durchgeführt und befand sich bis zum März 2015 in Friedensgesprächen, bis Erdoğan die Einigung aufkündigte. In der Bundesrepublik haben die Kurd*innen mit einer zunehmenden Kriminalisierung zu kämpfen, wie Mêrin aus eigener Erfahrung weiß. Sie ärgert sich darüber, dass die Demonstration von der Kölner Polizei aufgelöst wurde, weil es in Deutschland verboten ist, Abbildungen des PKK-Anführers Öcalan zu zeigen. „Ich kann nicht verstehen, was das für eine Gefahr sein soll, dass Bilder von diesem Menschen gezeigt werden, der seit Jahren in Isolationshaft sitzt und nicht mal seine Familie sehen darf“, kritisiert sie.

„Das Denken in den Köpfen der Menschen verändern“

An die Bundesrepublik hat Mêrin eigentlich andere Erwartungen: „Wir verlangen, dass die BRD klar Stellung gegen den Krieg bezieht“. Das wünscht sich auch Öczan: „Die Demokratie ist unser Wertmaßstab und daran darf nicht gerüttelt werden.“ Unterstützung in ihren Aussagen finden die beiden auch vom Politikwissenschaftler Ismail Küpeli, der von Deutschland erwartet, „den Angriffskrieg der Türkei zu verurteilen“. Über den UN-Sicherheitsrat müssten die Staaten die Türkei zu einem sofortigen Ende der Offensive drängen, so Küpeli.

In der Kritik des Wissenschaftlers stehen zudem die fortlaufenden Rüstungsexporte der Bundesrepublik: „Es müsste ein tatsächlicher Stopp der Rüstungsexporte erfolgen und nicht, wie jetzt beschlossen, ein Aufschieben um ein paar Wochen.“ Öczan mahnt ein grundsätzliches Problem an. Generell sollten Waffenlieferungen nicht an undemokratische Staaten gesendet werden. Auch für Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) hat er kein Verständnis: „Wie er sich in der Vergangenheit verhalten hat, vor allem als er dem türkischen Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu Tee eingeschenkt hat, ist eines Außenminister nicht würdig.“

Ein friedliches Miteinander scheint nach dem Angriff auf Afrin in noch weitere Ferne gerückt zu sein. Zwar könne es sein, dass die YPG und YPJ das türkische Militär und die FSA zurück schlägt, so Mêrin, eine Lösung des Konflikts sei das aber nicht. So sieht es auch Özcan, der sagt, dass es keine militärischen Lösungen geben könne: „Wir wollen, das man sich an einen Tisch setzt.“ Mêrins Wunsch für die Zukunft ist es, dass die Kriminalisierung von kurdischen Menschen in Deutschland ein Ende hat. Denn selbst die YXK kämpft seit Jahren damit, überhaupt öffentlich präsent sein zu dürfen. Eine Lösung, um friedlich leben zu können, sieht sie nur, wenn auf Augenhöhe und gleichberechtigt miteinander geredet wird: „Es darf sich keine ethnische oder religiöse Gruppe durchsetzen, um eine andere zu unterdrücken. Die Idee ist das Denken in den Köpfen der Menschen zu verändern.“


Quelle;http://akduell.de/2018/01/afrin-nicht-nur-ein-kurdischer-kampf/

 

Geschrieben von: HSA am 04.02.2018

 

 

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