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Eine Kurzreise nach Turabdin im August 2016

Von Roze Özmen, HSA-Vizevorsitzende
Bereits im April wurde die Reise nach Turabdin/Südosttürkei für Ende August geplant und die Tickets gebucht. Dass es dort gefährlich und aktuell explosiv ist, war uns, der vierköpfigen Delegation, bewusst. Dennoch wollten wir es uns nicht nehmen lassen, unsere geliebte Heimat zu besuchen und die Lage vor Ort zu erkunden, aber auch unsere Leute dort zu unterstützen. Wir wissen nicht, wie viele Menschen im Turabdin und der Türkei bis heute ihr Leben verloren haben, es ist noch brisanter geworden, in den Südosten der Türkei zu reisen. Überall Skepsis und Warnungen: „Lasst es sein, reist nicht in so ein Krisengebiet und wenn doch, haltet euch von Militärfahrzeugen oder Polizeistationen fern“ wurde uns so ziemlich von allen Seiten angeraten.

Bild: Neubausiedlung in Enhil

Mit etwas mulmigem Gefühl, Zweifel, Furcht und doch viel Freude, unsere Heimat wieder zu sehen, sind wir am 23. August ab Hannover über Istanbul nach Diyarbakir geflogen. Ohne Zwischenfälle und böse Überraschungen haben wir unsere Reise ab Diyarbakir mit einem bereits gemieteten Wagen fortgeführt. Etwas entspannter, aber müde und neugierig machen wir uns auf den Weg ins Landesinnere, zum langersehnten Turabdin. Dank dem Internet sind wir natürlich mit diversen Nachrichtenportalen verbunden. Die Berichte über die verhafteten und verschleppten Menschen reißen nicht ab.

Wir achten darauf, bloß nicht aufzufallen oder gegen Erdogan Kritik auszuüben. Es liegt eine große Spannung in der Luft, wir wissen nicht, wie wir die Menschen vor Ort einordnen sollen, und umgekehrt wissen die Einheimischen nicht, wie sie uns einschätzen sollen. Sind wir politisch motiviert, womöglich eine Pro-Erdogan-Gruppe. Ein gegenseitiges Misstrauen ist allgegenwärtig. Das Militär mit auffällig vielen jungen Soldaten und Panzerfahrzeugen war in Midyat sehr präsent. In den 7 Tagen wurden wir häufig vom Militär angehalten und auf Personalien geprüft. Wir mussten auch kritische Fragen beantworten, warum wir alle deutsche Pässe haben.

Bild: Besuch in Kafro (Tahtayto)

Unsere Suryoye, vor allem aber die Mönche in den verschiedenen Klöstern, beklagen die fehlenden Gäste und ideelle sowie materielle Hilfe aus Europa. Es fehlt dort an allem. Essen, Trinken, Bekleidung, Mobilität und Dinge, die für uns selbstverständlich sind wie die Weihnachtsdekoration und Beleuchtung. Die Bilder aus dem Kloster Mor Yahkub in Badibe mit Dayroyo Aho gehen mir nicht aus dem Kopf. Er und seine Schüler kamen gerade aus den Feldern, die wiedermal in Brand gesteckt wurden. Die sind müde und erschöpft, haben rote Augen durch den vielen Rauch und sind heiser. Selbst der Bart von Dayroyo Aho ist bis zur Hälfte verbrannt. Nach kurzem Atmen ist die Freude sehr groß, Suryoye aus Deutschland zu Gast und natürlich das Feuer in den nahegelegenen Feldern wieder einmal gelöscht zu haben.

 
Bild: In Mor Yahkub - Badibe mit Dayroyo Aho

Vermutlich werden diese Brände vom Militär gelegt, mit dem Ziel die PKK-Kämpfer aus der Reserve zu locken. Leider sind wir Suryoye unmittelbar davon betroffen. Die Luft in der Umgebung von Badibe, Arbo, Arkah, Harabemiske, Kafro und Ihwo ist vernebelt und riecht nach Brand und Rauch.
Es war schön Enhil und viele aramäische Dörfer zu besuchen, die von Suryoye mit Herzblut aufgebaut und bewohnt werden. Die Angst und Unsicherheit sowie die aktuellen Ereignisse waren leider allgegenwärtig. Eine Woche Heimat hat gut getan, allerdings auch nachdenklich. Es gibt so viele Baustellen für unsere Suryoye, aber auch die Bewohner insgesamt dort.

 

 

Geschrieben von: HSA am 27.09.2016





  

 

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