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Patriarch zu Kurden-Referendum: Das kommt viel zu schnell


Die Kurden im Irak wollen einen eigenen Staat: Das ergab mit großer Mehrheit das Kurden-Referendum vom Montag, auch

wenn das Ergebnis rechtlich nicht bindend ist. Unzufrieden mit der Situation im Irak ist auch der chaldäische Patriarch Louis Sako. Gerade erst hätten die Christen im Land wieder Ruhe erfahren - nun drohe der nächste Konflikt.

Obwohl die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) besiegt wurde, sei er sehr besorgt über die Zukunft der Christen im Irak, so der chaldäische Patriarch. Er hielt am Montagabend den Hauptvortrag bei der Jahrestagung der „Initiative Christlicher Orient“ (ICO) in Salzburg. Nach der Befreiung des Irak von der Terrorgruppe des IS habe auch unter den Christen Aufbruchsstimmung geherrscht. Die ersten christlichen Flüchtlinge seien auch bereits in ihre befreiten Dörfer und Städte in der nordirakischen Ninive-Ebene zurückgekehrt. Durch das Unabhängigkeitsreferendum der Kurden stelle sich die Situation nun aber wieder höchst komplex und unsicher dar. „Wir wissen einfach nicht, was die Zukunft bringt. Die Menschen haben Angst“, so Sako.

Prinzipiell habe jedes Volk das Recht, über die eigene Zukunft zu entscheiden, hielt der Patriarch fest, doch der Zeitpunkt für das Referendum, mit dem ja eindeutig die Richtung hin zu einem unabhängigen kurdischen Staat vorgezeichnet ist, sei falsch. „Das kommt alles viel zu schnell, ohne entsprechenden Dialog zwischen der kurdischen Regionalregierung und der Zentralregierung in Bagdad.“

Ablehnende Haltung der Nachbarstaaten

Aber nicht nur mit der Zentralregierung gebe es massive Spannungen, betonte Sako. Er verwies auch auf die massiv ablehnende Haltung der Nachbarstaaten Türkei, Iran und Syrien wie auch auf die ablehnende Haltung der internationalen Staatengemeinschaft. Er habe Angst vor einem neuen Krieg in der Region, so der Patriarch. Die irakische Armee sei nun auch wieder stark aufgerüstet, dazu kämen die vom Iran unterstützten schiitischen paramilitärischen Gruppen im Land. Noch einen militärischen Konflikt, bei dem die kleine christliche Minderheit zwischen die Fronten gerät, würde diese wohl nicht mehr aushalten. Dann würden die meisten Christen wohl endgültig das Land verlassen. Dabei seien sie gerade erst dabei, ihre vom IS zerstörten Häuser und Dörfer wieder aufzubauen. Damit dies gelinge und die Christen sich wieder eine Existenz schaffen könnten, brauche es zuallererst Stabilität in der Region.

Laut Patriarch Sako gibt es nicht einmal mehr 500.000 Christen im Irak. Rund 140.000 davon würden im Nordirak leben, der größere Teil noch in Bagdad. Genaue Zahlen gebe es freilich nicht. Noch seien diese christliche Gemeinden recht stark und vital. Der Patriarch appellierte an die Kirchen im Westen, besonders den Christen im Orient Hilfe zukommen zu lassen. „Die Sunniten in der Region bekommen Hilfe von Saudi Arabien oder Katar, die Schiiten vom Iran, die Christen von niemandem“, so sein Befund.

Ninive-Konferenz in Rom

Ungeachtet der politischen Konflikte findet in Rom von Mittwoch bis Freitag eine internationale Konferenz statt, bei der die weitere Hilfe für die christlichen Dörfer und Städte in der Ninive-Ebene koordiniert werden soll. Veranstalter der Tagung ist das kirchliche Hilfswerk „Kirche in Not“. Neben Patriarch Sako werden zu der Tagung u.a. auch der syrisch-orthodoxe Patriarch Ignatius Afrem II. Karim und der syrisch-katholische Patriarch Joseph III Younan erwartet. Weitere Teilnehmer sind der päpstliche Nuntius für Jordanien und den Irak, Erzbischof Martin Alberto Ortega, und Kardinal Mauro Piacenza, internationaler Präsident von „Kirche in Not“.

(kap 26.09.2017 mg)

 



 

Geschrieben von: HSA am 28.09.2017

 

 

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