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HSA-Vorsitzender Saliba Joseph im Libanon und in Syrien

"Jeder von uns muss sich einbringen, damit wir eine wirklich gerechte und solidarische Gesellschaft schaffen können", sagt Papst Franziskus.Dieses Credo beschreibt die Haltung und ausgerichteten Aktivitäten des Dachverbandes HSA (Huyoyo Suryoyo d' Almanya) sehr treffend. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind Netzwerke innerhalb und außerhalb der Suryoye zu pflegen, kulturelle und sportliche Highlights zu planen, Vorträge und Diskussionen zur Aufklärung kontroverser Themen vor allem die syrisch-orthodoxen Christen betreffend zu veranstalten, aber auch Solidarität mit den geknechteten Landsleuten im Nahen Osten zu zeigen, durch Öffentlichkeitsarbeit auf ihre prekäre Situation aufmerksam zu machen oder vor Ort im Libanon und Syrien Anteilnahme und Unterstützung anzubieten.Im Namen der HSA besuchte der Vorsitzende Saliba Joseph Anfang Mai die krisenhaften Regionen im Libanon und Syrien, um sich ein Bild vor Ort zu machen, Akkuthilfe zu leisten, aber auch Brennpunkte und Projekte zu eruieren, die langfristig Unterstützung benötigen.

 

Erste Station war in Beirut/Libanon ein Treffen von Saliba Joseph mit USUP(Universal Syriac Union)-Vorsitzenden Ibrahim Mrad und der Bürgermeisterin Sad Al Boscheriyeh. Dabei wurde die Lage der Suryoye und Flüchtlinge erörtert.Ein paar Stunden später landete der HSA-Vorsitzender in Kamishli/Syrien, wo er den GHSS (Gabo Huyodo Suryoyo Suriya) in Derik besuchte.
Am selben Tag besuchte er einen der Militärstützpunkte (MFS) der Suryoye in Derik. "Anschließend fuhren wir nach Qabre Hewore und besuchten die Madrashto/Schule, die nicht nur in Kthobonoyo/Altaramäisch und Suryoyo unterrichtet, sondern auch Lehrer ausbildet. Mir ist außerdem aufgefallen, dass fast alle Verkehrskennzeichen hier in 3 Sprachen geschrieben sind: arabisch, kurdisch und aramäisch", erklärt Saliba Joseph.

  

Es gibt zwei Suryoye-Militär-Gruppen, die in Nordsyrien ihre Stützpunkte aufgestellt haben: Sutoro und Sootoro, die der HSA-Vorsitzende Saliba Joseph aus Heilbronn kürzlich besuchte. "Der Unterschied zwischen beiden Gruppen ist, dass der Sootoro dem Land dient und von der Regierung gefördert wird. Der Sutoro wiederum ist dem MFS (Militärrat der Suryoye) unterstellt. Der MFS ist das Militär und Sootoro sowas wie Polizei", erklärt der HSA-Chef, auf seiner Nah-Ost-Reise.

Joseph besuchte an einem weiteren Tag Bischof Mor Moris Amsih, der über die Lage der Suryoye und der Kirche berichtete.

Am Sonntag wurden anschließend in Al Hasakah die Gräber der Gefallenen (Suhthe) besichtigt.22 Witwen bzw. Familien der Gefallenen erhielten von der HSA vor Ort finanzielle Hilfe.

 

Am Abend traf sich Saliba Joseph mit Delegierten der ADO (Assyrische Demokratische Organisation) und tauschte sich rege aus. "Die Dawronoye und ADO sind die einzigen politischen Orgas unseres Volkes in Syrien. Mich freute zu hören, dass beide Seiten gelegentlich miteinander kommunizieren und arbeiten.

Zudem erfuhr ich, dass der MFS nicht dem YPG (Volksverteidigungseinheit) unterstellt ist. Beide Seiten respektieren sich stattdessen gegenseitig, da sie militärisch präsent sind und das gleiche Ziel verfolgen: Grund und Boden sowie Einwohner zu schützen!"Am nächsten Tag wurden Saliba Joseph und der Journalist Yawsef Beth Turo von dem Ministerpräsidenten Abdulkerim Saruxan und seinen beiden Stellvertretern Shamiram Shamun und Dr. Hüseyin Azam im Parlament in Amuda empfangen. Sie berichteten über die Lage in Syrien und ihre Ziele. Danach wurden sie von Parlamentsvorsitzenden Dr. Halam Xallo sowie Nazira Gewriye empfangen. Ihr Parlaments-Symbol (wie etwa der Adler im deutschen Parlament) impliziert alle drei Völker: arabische Syrer, Suryoye und Kurden.

Hoffnung auf Frieden und politische Teilhabe verspricht ein Autonomiezonen-Modell, analog zur Schweiz. In dieser föderalen Gesellschaftsordnung könnten alle drei Sprachen, Schriften und Völker gleichberechtigt nebeneinander leben. Die Menschen in Nordsyrien jedenfalls sind zuversichtlich.

Auf seiner Reise in Nordsyrien/Kamishli stellte HSA-Vorsitzender Saliba Joseph fest, dass sehr viele Läden, die den Suryoye gehörten geschlossen waren. "Einst belebten diese Läden die Stadt, nur leider sind viele ausgewandert. Die Suryoye-Hochburg ist bisher zwar größtenteils von militärischen Auseinandersetzungen verschont geblieben, aber Bombenattentate versetzen die noch ansässige Bevölkerung in Angst und Schrecken. Das öffentliche Leben dort ist sehr eingeschränkt. Außerdem sorgt die Inflation dafür, dass Lebensmittel überteuert und Einkommen kaum vorhanden sind."

 Joseph und seine Begleitung, der Journalist Yawsef Beth Turo, setzten sich auch mit verschiedenen Kirchenräte wie z.B. Maotbo Suryoyo Kamishli zusammen, um über die aktuelle Lage der Suryoye zu sprechen.

Der HSA-Vorsitzende machte sich nicht nur ein Eindruck vor Ort, sondern die Ortsansässigen waren auch gespannt zu hören, wie die Suryoye im Westen leben und den Nah-Ost-Konflikt wahrnehmen. Joseph wurde von Suryoyo TV Kamishli und von dem dort sehr bekannten kurdischen Sender Rohani TV interviewt.

"Am letzten Tag vor meiner Rückreise habe ich alle, die sich um mich gekümmert hatten zum Essen eingeladen. Dabei berichtete ich ihnen über die Situation der Suryoye in Deutschland. Selbstverständlich auch über die Arbeit der HSA." Circa 40 Personen kamen zum Abschiedsessen, die interessiert Josephs Ausführungen folgten.

Nach insgesamt einer Woche kehrte Joseph mit vielen bewegenden Eindrücken aus dem Nahen Osten zurück. "Die Menschen im Libanon und in Nordsyrien haben trotz der prekären Lage ihre Hoffnung auf Frieden und eine bessere Zukunft nicht verloren. Ich sehe es als unsere Pflicht, den Suryoye, Mittellosen und Kindern dort zu helfen. Es gibt viele Projekte und Ideen, die mir bei meiner Reise begegneten bzw. sich entwickelten. Wir möchten als Dachverband handeln und langfristig zum Wiederaufbau beitragen. Dazu werden wir in Kürze erneut eine Spendenaktion ins Leben rufen und die einzelnen Projekte vorstellen."

 

Geschrieben von: HSA am 27.05.2017